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Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus

Der Inhaber der Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus im Wintersemester 2016 ist

Andreas Koller

 


Einladung

Presseaussendung

Veranstaltungstermine
7.11., 14.11. & 21.11.2016

Veranstaltungsort
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Hörsaal 1 (1. UG)
Währinger Straße 29, 1090 Wien



Prämisse

Diese Dozentur wurde von Univ. Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher begründet. Seit dem Sommersemester 2000 haben zahlreiche Dozentinnen und Dozenten ihre Sicht über den Journalismus in ihren Vorlesungen dargelegt. Die Vorlesungen wurden unter der Herausgeberschaft von Langenbucher im Picus Verlag publiziert. Nach der Emeritierung von Wolfgang R. Langenbucher hat Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas bis zu seinem Tod im März 2014 die Verantwortung und Konzeption für die Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus übernommen. Ab dem Wintersemester 2016/17 übernimmt Folker Hanusch, Journalismusprofessor am Publizistik-Institut, die Leitung der Herzl-Dozentur.

Akademische Traditionen

Die Dozentur ist Teil einer international schon Jahrzehnte alten kulturellen und universitären Tradition. So hielt Igor Strawinsky 1939/40 Gastvorlesungen an der Harvard University, die unter dem Titel "Poétique Musicale" berühmt wurden und zum Vorbild für Zyklen akademischer Gastveranstaltungen wurden, die auf den Ursprung des Wortes "Poetik" zurückgehen. "poiein" bedeutet ja "schöpferisch tätig sein, herstellen, verfertigen" und Poetik eben das "Studium des zu machenden Werkes".
Mit "Fragen zeitgenössischer Dichtung" eröffnete Ingeborg Bachmann 1959/60 die bis heute laufende Reihe der "Frankfurter Poetik-Vorlesungen", die für mehrere Universitäten des deutschsprachigen Raumes stilbildend wurden. Der österreichischen Dichterin folgten u.a. Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger, Friedrich Dürrenmatt, Günter Grass und - in den 90er Jahren - Rolf Hochhuth, Sarah Kirsch, Marlene Streeruwitz, Einar Schleef und Hans Ulrich Treichel. Die aus diesen Gastvorlesungen entstandenen Bücher dokumentieren über vierzig Jahre die Poetik der modernen deutschsprachigen Literatur. Die Hochschule für Musik und darstellende Kunst "Mozarteum" in Salzburg hat 1992 eine "Gastprofessur für Poetik" eingerichtet, die Gastvorträge, Portraitkonzerte, Unterricht und Lesungen umfasst.

Poetik des Journalismus

Mit der Theodor Herzl-Dozentur wird erstmals für eine Poetik des Journalismus der gleiche kulturelle und intellektuelle Rang postuliert wie dies für Literatur, Musik und Kunst traditionellerweise selbstverständlich ist. Journalismus mag in seiner alltäglichen Massenhaftigkeit eine Dienstleistung sein, daneben und daraus hervorgehend aber ist er auch eine spezifische, traditionsreiche Kulturleistung, die gerade nicht terminologisch zur "Literatur" geadelt werden muss, um ihren ästhetischen und intellektuellen Rang angemessen zu benennen. Genuine, schöpferische Leistungen haben auch im Journalismus zu zahlreichen identifizierbaren "Werken" und der Verbindlichkeit , der Kontinuität eines journalistischen Kanons geführt.

Dieser Kanon hat kulturgeschichtlich für den deutschsprachigen Journalismus sehr viel mit Wien zu tun. Von Egon Erwin Kisch stammt ein früher Versuch, diesen Kanon und seine weit zurückreichende Tradition zu dokumentieren: 1923 gab er die Anthologie "Klassischer Journalismus - Meisterwerke der Zeitung" heraus. Wo er aufhört, beginnt - Jahrzehnte später - ein Folgeband (Sensationen des Alltags – Meisterwerke des modernen Journalismus, hg. von W.R.Langenbucher u.a., Wien 1992), der eine "Wiener Schule des modernen Journalismus" deutlich macht, parallel zu so vielen anderen Entwicklungen im Fin de siècle Wiens.
Kriege, politische Umbruchszeiten, Exil (dazu der Band "Vertriebene Wahrheit – Journalismus aus dem Exil, hg. von Fritz Hausjell u. a. Wien 1995) und der gesellschaftliche Wandel haben diesen Traditionen die Kontinuität genommen. Aber auch heute gibt es - in unterschiedlichen und immer neuen Medien - Journalismus, dessen kulturschöpferische Leistung nicht zuletzt in der Eroberung immer neuer Welten der Wirklichkeit und auch spezifischer Methoden der Realitätserkundung besteht. Neben dem Wort gehören die Fotografie und das dokumentarische Fernsehen sowie neue Netzangebote zu den essentiellen journalistischen Ausdrucksmitteln.




GastdozentInnen seit dem Sommer 2000

Wie auch bei anderen der oben erwähnten Dozenturen üblich, ist es das Ziel, durch Buchveröffentlichungen die Vorlesungen zu dokumentieren und so im Laufe der Zeit einen Kanon zu einer praktischen Theorie des Journalsimus entstehen zu lassen.

Kooperationspartner des Institutes sind das Kuratorium für Journalistenausbildung, die Stadt Wien (MA 7) und der ORF (Programm Ö1).

Bisher im Picus Verlag erschienene Bücher der Theodor Herzl-Dozentinnen und -dozenten (hrsg. von Wolfgang R. Langenbucher und Hannes Haas) finden Sie untenstehend.


Föderl-Schmid, Alexandra. Journalisten müssen supersauber sein. Anspruch und Wirklichkeit in der Medienwelt. Wien: Picus 2013.

Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin des Standard und Co-Herausgeberin der Tageszeitung sowie von derStandard.at, beschäftigt sich mit den Bedingungen, unter denen Qualitätsjournalismus in Österreich funktionieren kann und muss. Die promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, die vierzehn Jahre Korrespondentin im Ausland war, verweist auf das selbstreferenzielle System in Österreich und die Auswirkungen der Verhaberung. Dieser sehr spezifische Umgang von Politikern, Wirtschaftstreibenden und Journalisten führt dazu, dass über vieles nicht berichtet wird, so ihre Diagnose. In einem kleinen Land sind die Auswirkungen dieser Beißhemmung umso größer. In Österreich gibt es weder Äquidistanz noch Kommunikation auf Augenhöhe, ist eine ihrer Erfahrungen. Journalisten fehlt auch häufig die kritische Distanz zum eigenen Tun. Das zeigt sich auch daran, wie schwierig es war und ist, in Österreich einen Presserat neu zu etablieren und Mindeststandards für ethisches Verhalten im Journalismus einzuführen.


Wolf, Armin / Haas, Hannes (Hrsg.): Wozu brauchen wir noch Journalisten? Wien: Picus 2013. (Auch als e-Book erhältlich)

Armin Wolf über die radikalen Umbrüche in der Medienwelt

Armin Wolf, ZiB-2-Moderator und stellvertretender Chefredakteur der TV-Information im ORF, beschäftigt sich in seinen drei Theodor-Herzl-Vorlesungen an der Universität Wien mit den dramatischen Umbrüchen in der Mediennutzung, der (neuen?) Rolle von Journalisten und mit seinem Beruf als politischer Interviewer. Pressefreiheit ist heute nicht mehr »die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu drucken« (Paul Sethe), sondern die Freiheit von über zwei Milliarden Menschen mit Internetzugang ...


Prantl, Heribert / Haas, Hannes (Hg.): Die Welt als Leitartikel. Zur Zukunft des Journalismus. Wien: Picus 2012.

Heribert Prantl ist ein journalistischer Mutmacher und Aufklärer, der an die große Zukunft der Zeitung, in gedruckter und in digitaler Form, glaubt. Prantl beeindruckt seine Leser und Hörer mit bannender Schreib- und Redekunst. Er besticht mit einem Wissen, in dem sich auch seine Erfahrungen als Richter, Staatsanwalt, Chefredakteur und Rechtsprofessor spiegeln. In seinen drei Vorlesungen, die er im Rahmen der »Theodor-Herzl-Dozentur für die Poetik des Journalismus« an der Universität Wien gehalten hat, wirbt er für einen Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen. »Die große Frage lautet nicht, wie man Klicks, Reichweite und Auflage schafft. Die große Frage lautet: Wie schafft man Vertrauen? Dann kommen auch Klicks, Reichweite und Auflage.« Prantl vertritt seine Überzeugungen mit Nachdruck. Mit dem Duo »Hinsichtl & Rücksichtl« kooperiert er nicht. Seine Prosa erinnert eher an die »Confessiones«. Das Grundsätzliche ist sein Leitthema. Was hält die Gesellschaft zusammen? Wie hat sich die Politik seit dem 11. September 2001, seit den Anschlägen von Al Kaida, verändert? Was ist das Betriebssystem für Europa – der Euro oder die Demokratie? Seine Aufgabe als politischer Journalist sieht Prantl vor allem darin, für Grundrechte und Grundfreiheit einzutreten. Ergänzt und abgerundet wird der vorliegende Band durch eine Reihe von Werkstatt-Texten, die Prantls Haltung und Arbeitsweise illustrieren.


Schwarzer, Alice / Haas, Hannes (Hg.): Journalistin aus Passion. Von der Volontärin zur Blattmacherin. Wien: Picus 2010.

Die professionelle Biografie einer Ausnahmejournalistin

Alice Schwarzer blickt in ihrem neuen Buch auf vierundvierzig Berufsjahre als Journalistin zurück. Dabei reflektiert sie Bedingungen und Möglichkeiten ihrer Profession in den programmatischen Abschnitten »Von der Volontärin zur Blattmacherin«, »Journalistische Ethik: Wir schreiben über Menschen« sowie »Das Interview: Kein Dokument, eine Kunstform«. Die sehr rege besuchten Veranstaltungen funktionierte Schwarzer immer auch zu interaktiven Debatten mit Studentinnen und Studenten sowie Kolleginnen und Kollegen um. Auch dieser Austausch ist in dem vorliegenden Band verarbeitet und rundet so Alice Schwarzers Resümee ihrer Erfahrungen und ihre Reflexionen ab.


Rados, Antonia / Haas, Hannes (Hg.): Die Fronten sind überall. Aus dem Alltag der Kriegsreportage. Wien: Picus 2009.

Antonia, Rados, vielfach ausgezeichnete Fernseh-Kriegsreporterin, vermittelt anhand eindrucksvoller Beispiele ein umfassendes Bild ihrer Profession. Sie klärt außerdem die Frage, was einen guten Kriegsreporter ausmacht, legt dar, wie sich die Kriegsberichterstattung im Lauf der Zeit verändert hat, zeigt, welchen Einfluss die neuen Medien auf die Kriegsberichterstattung haben, und erörtert die spezielle Situation als Frau in diesem Ausnahmeberuf.


Hamann, Sibylle / Langenbucher, Wolfgang R. (Hg.): Dilettanten unterwegs. Journalismus in der weiten Welt, Wien: Picus 2007.

Eine kritische Reflexion der Chancen und Irrwege von Auslandsreportage.

Als Reporterin hat Sibylle Hamann von den Krisenschauplätzen der letzten Jahre berichtet: aus Kuba und dem Kaukasus, dem Kosovo und dem Kongo, vom Konflikt zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda und Burundi, von den Taliban in Afghanistan und aus Banda Aceh nach dem Tsunami. Sie schildert den gleichermaßen banalen wie aufreibenden Alltag als Reporterin und hinterfragt den Mythos der Berichterstattung »vor Ort«.


Kromschröder, Gerhard / Langenbucher, Wolfgang R. (Hg.): Ach, der Journalismus. Glanz und Elend eines Berufsstandes, Wien: Picus 2006.

Kromschröder ist ein Meister der Rollenreportage, hat "undercover" in den unterschiedlichsten Milieus ermittelt und als Kriegsberichterstatter des "Stern" aus Bagdad über den ersten Irak-Krieg berichtet. In seinem Band denkt er nicht nur über Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung seines Berufsstandes nach, sondern gibt auch erstmals hautnah Einblicke in seine ungewöhnliche Arbeitsweise.


Harpprecht, Klaus / Langenbucher, Wolfgang R.: Auf der Höhe der Zeit? Journalismus, der schönste, der schrecklichste aller Berufe, Wien: Picus 2005.

Über Macht und Ohnmacht des Journalismus.

Mit Klaus Harpprecht findet ein weiterer profilierter Journalist Eingang in die handverlesene Reihe von Autoren, die anlässlich der Theodor-Herzl-Vorlesung am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft über ihre Arbeit als Kulturleistung nachdenken. Der mittlerweile freischaffende Publizist vergleicht ausgehend von einem autobiografischen Ansatz die unterschiedlichen Mediengattungen und geht dabei jeweils auf ihre Besonderheiten ein.


Jochimsen, Luc / Langenbucher, Wolfgang R. (Hg.): Warenhaus Journalismus. Erfahrungen mit der Kommerzialisierung des Fernsehens, Wien: Picus 2004.

Vor dem Hintergrund ihrer langen journalistischen Karriere setzt sich Luc Jochimsen kritisch und pointiert mit wesentlichen Entwicklungen im Fernsehjournalismus auseinander und gewährt Einblicke hinter die Kulissen unseres kommerzialisierten Fernsehalltags.


Huemer, Peter / Langenbucher, Wolfgang R. (Hg.): Warum das Fernsehen dümmer ist als das Radio. Reden über das Reden in den Medien, Picus 2003.

Das Gespräch als journalistisches Ausdrucksmittel im Wandel der Zeiten.
Peter Huemer ist nicht nur eine der profiliertesten Stimmen im deutschsprachigen Radio, sondern hat sich darüber hinaus als Miterfinder des »Club 2« als Pionier von Fernsehformaten positioniert, die ihrer Zeit voraus waren, und dabei ein mittlerweile legendäres Genre geschaffen. Sein Rückschluss aus dieser jahrelangen Tätigkeit ist nun ebenso lakonisch wie provokant. Die Frage nach dem Warum führt er in seiner Theodor-Herzl-Dozentur aus.


Riehl-Heyse, Herbert / Langenbucher, Wolfgang R. (Hg.): Arbeiten in vermintem Gelände - Macht und Ohnmacht des Journalismus. Theodor-Herzl-Vorlesung. Wien: Picus 2002.

Leidenschaftlich und stets an prägnanten Beispielen aus der Praxis orientiert plädiert H. Riehl-Heyse für den Qualitätsjournalismus und ein Umfeld, das ihn ermöglicht. Mit einem Blick in die eigene Werkstatt zeigt er, dass die Arbeiten von Journalisten als kulturelle Errungenschaft vor allem im Dienste angeregter und anregender öffentlicher Debatten stehen.


Kai, Hermann / Sprecher, Margrit / Langenbucher, Wolfgang R. (Hg.): Sich aus der Flut des Gewöhnlichen herausheben. Die Kunst der großen Reportage . Wien: Picus 2001.

Einblicke in die »Werkstatt« zweier renommierter Reportage-Journalisten. Journalismus ist wie Literatur eine schöpferische Tätigkeit, für die es auch eine "Poetik" geben kann. Das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien hat deshalb eine Poetik-Dozentur – benannt nach dem großen Wiener Journalisten Theodor Herzl – eingerichtet. Als erstes Ergebnis dieser praktischen Theorie des Journalismus liegt nun dieses Buch vor, in dem die beiden namhaften Journalisten Kai Hermann und Margrit Sprecher der "Kunst der großen Reportage" auf den Grund gehen.


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