Smartphones im Alltag: Wie die Nutzung unsere Beziehungen beeinflusst

26.04.2021

Die Studie der Universität Wien und der Katholischen Universität Leuven inspiziert die Effekte der Smartphone-Nutzung auf Quantität und Qualität des Kontakts zu nahestehenden Personen.

Durch den Anbruch der Digitalisierung und der Entwicklung neuer Technologien entstehen zunehmend mehr Möglichkeiten zur digitalen Vernetzung zwischen uns Menschen. Das Smartphone ist mittlerweile schon ein "alter Hase", was die Onlinekommunikation betrifft, und trotzdem herrscht in der Forschung noch kein Konsens darüber, ob Smartphones die Beziehungen zu unseren Mitmenschen stärken oder möglicherweise negativ beeinträchtigen. Die Studie von Anja Stevic und Jörg Matthes der Universität Wien in Kooperation mit Desirée Schmuck und Kathrin Karsay von der KU Leuven nahm sich dieser Forschungsfrage an.

Im Zuge einer zweiwelligen Panelstudie mit jeweils 461 Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersuchte das Forscherteam die Folgen der Smartphone-Nutzung auf Quantität (Häufigkeit) und Qualität des Kontakts zu engen Alltagsbeziehungen, wie Familienmitgliedern und Freunden. Dabei wurde zwischen der Nutzung des Smartphones zum aktiven kommunikativen Austausch, bspw. Telefonieren, Simsen, E-Mails empfangen und verschicken oder Fotos teilen und der passiven non-kommunikativen Nutzung, wie Informationssuche, Nachrichten lesen, Videos konsumieren oder das Scrollen durch den Social Media-Feed unterschieden. Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass diese Abgrenzung von Nöten ist, da die "Konsequenzen der Smartphone-Nutzung auf die Face-to-Face Kommunikation abhängig von der Nutzungsart des Smartphones" sind.

Mit Blick auf die Ergebnisse zeigt sich, dass sich die kommunikative Smartphone-Nutzung positiv auf die Quantität, sprich auf die Häufigkeit des Austauschs zu nahestehenden Personen, auswirkt. Besonders hoch sei der virtuelle Kontakt zu Freunden, da nach Angaben der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer im Schnitt mehr Zeit mit der Familie verbracht wird und sie deshalb den Kontakt zu Freunden vorwiegend über das Smartphone aufrechterhalten. Im Gegenzug zeichnet sich durch die kommunikative Smartphone-Nutzung kein Indikator für einen Einfluss auf die Qualität der Beziehungen aus. D.h., dass die Qualität der Beziehungen aus dem realen Leben durch Smartphone-Geräte nicht verbessert wird.

Die non-kommunikative Nutzung des Smartphones zieht Konsequenzen bei der Quantität des Austausches nach sich, da in der Zeit, die mit dem Smartphone verbracht wird, weniger Zeit für soziale offline-Interaktionen bleibt. Hierbei ist die gute Nachricht, dass für die non-kommunikative Nutzung keine Auswirkungen auf die Qualität der Beziehungen nachgewiesen werden konnte.

Anja Stevic kam zu folgender Schlussfolgerung: "Was wir aus dieser Studie lernen können, bezieht sich auf unsere Smartphone-Kompetenz. Sich bewusst zu machen, wie wir Smartphones nutzen, ist der Schlüssel, um sie optimal auf unsere Bedürfnisse und Ziele abzustimmen. In diesem Sinne ist das Wissen darüber, was uns die Zeit von engen Beziehungen raubt und was ihnen tatsächlich nutzen kann, ein Schritt hin zu einem besseren sozialen Leben inmitten der allgegenwärtigen Technologie."


Publikationsdetails

Stevic, A., Schmuck, D., Karsay, K., & Matthes, J. (2021). Are smartphones enhancing or displacing face-to-face communication with close ties? A panel study among adults. International Journal of Communication, 15, 792-813.

Die Forscherinnen und Forscher der Universität Wien und der Katholischen Universität Leuven untersuchten den Einfluss der Smartphone-Nutzung auf Quantität und Qualität der Beziehungen zu Familie und Freunden. Die Daten wurden im Zuge einer zweiwelligen Panelerhebung im März-April und Juli-August 2018 mit einer Quotenstichprobe von jeweils 461 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhoben und ausgewertet. Die quantitative Befragung konzentrierte sich zunächst auf die generelle Smartphone-Nutzung und im zweiten Schritt auf die Eigenschaften des Kontakts zu Familienmitgliedern und Freunden. (Image © Keira Burton)
Anja Stevic ist seit 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und Teil der AdME Research Group. Ihre primären Forschungsinteressen umfassen die Bereiche Social Media und Wohlbefinden, Medieneffekte sowie mobile Kommunikation. (Image © Christian von Sikorski • AdME Research Group)
Desirée Schmuck ist Assistenzprofessorin (Tenure Track) für Digital Media Effects an der School for Mass Communication Research der KU Leuven, Belgien. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Wirkung digitaler politischer Kommunikation, die Effekte von Stereotypen und Vorurteilen im Netz sowie die Auswirkungen der Nutzung digitaler Medien auf das Wohlbefinden von Jugendlichen und Erwachsenen. (Image © Christian von Sikorski • AdME Research Group)
Kathrin Karsay ist Postdoc an der School for Mass Communication Research der KU Leuven, Belgien. Ihre primären Forschungsschwerpunkte umfassen die Effekte von Medien auf die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden von Jugendlichen und Erwachsenen. (Image © Kathrin Karsay)
Jörg Matthes ist Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Werbeforschung, Leiter der Abteilung Advertising and Media Effects (AdME) und Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Wirkung unterschiedlicher Werbeformen, der Prozess öffentlicher Meinungsbildung, Nachrichtenframing und empirische Methoden. (Image © Christian von Sikorski • AdME Research Group)