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Forschungsprojekt: Qualität des öffentlichen politischen Diskurses in der österreichischen Wahlkampfkommunikation


Ao. Univ.-Prof. Dr. Roland Burkart / Mag. Dr. Uta Rußmann


Teilprojekt im Rahmen des FWF-Projekts Continuity and Change in Campaign Communication in Austria since 1966
http://www.oeaw.ac.at/cmc/de/131625.php

(Leitung: Dr.Dr. Gabriele Melischek; Projektlaufzeit: 01.10.2007 - 30.09.2010).


In ausdifferenzierten Mediengesellschaften des späten 20. Jahrhunderts ist die Frage nach der Qualität der Politik unabdingbar mit der Frage nach der Qualität der politischen Kommunikation verbunden: Politik ist ohne Kommunikation über Politik nicht mehr denkbar und Kommunikation über Politik ist zugleich selbst Politik. Die Kommunikatoren, die den öffentlichen politischen Diskurs prägen, befinden sich sowohl in den politischen Parteien als auch in den Massenmedien. In Wahlkampfzeiten herrscht kommunikative Hochspannung, die auf beiden Seiten vom Bemühen um öffentliche Präsenz und Profilierung gespeist wird. Diese herausragenden Phasen politischer Kommunikation eignen sich vorzüglich zum Studium der öffentlichen Diskursqualität.

Erkenntnisziel und Fragestellungen

Im Mittelpunkt des Teilprojekts steht die Qualität des öffentlichen politischen Diskurses (QPD) in österreichischen Nationalratswahlkämpfen aus vier Jahrzehnten. Unter einem öffentlichen Diskurs verstehen wir die öffentlich geführte Kommunikation von politischen Akteuren über ausgewählte Themen.

Die Qualität dieses Diskurses bemessen wir aus der Perspektive seiner Verständigungsorientierung. Als verständigungsorientiert – und damit: als qualitativ hochwertig – begreifen wir einen öffentlichen politischen Diskurs dann, wenn die Akteure ihre Positionen entsprechend begründen, wenn sie bei strittigen Themen (issues) Vorschläge zur Lösung des jeweiligen Konfliktes machen und wenn sie einander im Rahmen dieser Auseinandersetzungen mehr oder weniger respektvoll begegnen.

Spezielle Beachtung finden außerdem (sprachliche) Kontexte, in denen Zweifel geäußert werden. Wir unterscheiden Zweifel an der Verständlichkeit von Äußerungen, der Wahrheit von Aussagen, der Wahrhaftigkeit von Kommunikatoren und der Legitimität von Handlungen bzw. handlungsleitenden Normen. Mit Blick auf die Folgen für die öffentliche (bzw. veröffentlichte) Diskussion nehmen wir schließlich noch die demokratische Funktionalität des Zweifelns unter die Lupe: Wir gehen zunächst positiv davon aus, dass öffentlich geäußerte Zweifel eine Stimulationsfunktion für den politischen Diskurs erfüllen und vertreten somit grundsätzlich die These einer demokratisch funktionalen und damit produktiven Funktion des Zweifelns.

Untersuchungsgegenstand und Methodik

Objekte der QPD-Analyse sind die Pressemitteilungen der politischen Parteien sowie die Berichterstattung ausgewählter österreichischer Tageszeitungen. Die qualitativ-quantitative Inhaltsanalyse ist parteienvergleichend (zwischen den jeweils im Parlament vertretenen politischen Parteien), medienvergleichend (Boulevard- vs. Qualitätszeitungen) und zeitvergleichend (1966-2008) angelegt. Im Rahmen der Zeitspanne des Gesamtprojektes greifen wir die Wahlkämpfe von 1970, 1983, 1999 und 2008 heraus.

Analyseinstrument

Codebuch (FWF-Projekt 20147-G14)

Finanzierung

Die Durchführung des Projekts wurde vom Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (www.fwf.ac.at) unterstützt (FWF-Projekt 20147-G14).


Publikationen

Burkart, R. & Rußmann, U. (2012). Authentizität im Wahlkampf. Eine zweifelhafte Sache. prmagazin 43(3), 63-78. [Authenticity in Political Campaign Communication]

Burkart, R. & Rußmann, U. (2012). Zweifelhafte Authentizität: Eine Untersuchung der Österreichischen Wahlkampfkommunikation. In P. Szyszka (Hrsg.), Alles nur Theater. Authentizität und Inszenierung in der Organisationskommunikation (pp. 236-254). München: Herbert von Halem. [The Problematization of Authenticity: An Analysis of Political Campaign Communication in Austria.]

Burkart, R. & Rußmann, U. (2012). Zweifelhafte Authentizität: Eine Untersuchung der Wahlkampfkommunikation in Österreich. In Universität Sofia (Hrsg.), Public Relations, Journalism and Media in a Global World (pp. 157-176). Sofia. [The Problematization of Authenticity: An Analysis of Political Campaign Communication in Austria.]

Burkart, R. & Rußmann, U. (2013). Beeinflussung durch Verständigung? Die Diskursqualität von Presseaussendungen politischer Parteien in österreichischen Nationalratswahlkämpfen. Ein Langzeitvergleich: 1970-2008. (being prepared) [The Quality of Understanding of the Public Political Discourse in Political Parties’ Press Releases in Austrian National Elections, 1970-2008.]

Burkart, R. & Rußmann, U. (2013). Die Zuschreibung von Misstrauen: Eine politische PR-Strategie im Wahlkampf? (being prepared) [Mistrust(ing): A Political PR-Strategy in Election Campaigns?]

Burkart, R., Rußmann, U. & Grimm, J. (2010). Wie verständigungsorientiert ist Journalismus? Ein Qualitätsindex am Beispiel der Berichterstattung über Europa im Österreichischen Nationalratswahlkampf 2008. In H. Pöttker & H. Schwarzenegger (Hrsg.), Europäische Öffentlichkeit und journalistische Verantwortung (S. 256-281). Köln: Herbert von Halem. [The Quality of Understanding of the Media Coverage on Europe in the 2008 Austrian National Election Campaign.]

Rußmann, U. (2012). Verständigungsorientierte Kommunikationsprozesse in der öffentlichen politischen Diskussion. Das VÖA-Modell in der Wahlkampfkommunikation. In: Hömberg, W./Hahn, D & T.B. Schaffer (Hrsg.): Kommunikation und Verständigung. Theorie – Empirie – Praxis. Festschrift für Roland Burkart. 2., überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS Verlag, 171-182. [Consensus-oriented Communication Processes in Political Discussions]


Vorträge

Burkart, R. & Rußmann, U. (2009). Öffentliche Problematisierung von Authentizität: Eine Untersuchung anhand der Österreichischen Wahlkampfkommunikation. – Vortrag auf der 16. Jahrestagung der Fachgruppe PR/Organisationskommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK): „Alles nur Theater? Authentizität und Inszenierung in der Organisationskommunikation“ vom 05. – 07. November 2009 in Offenburg. [The Problematization of Authenticity: An Analysis of Political Campaign Communication in Austria.]

Burkart, R. & Rußmann, U. (2012). Beeinflussung durch Verständigung? Die Diskursqualität von Presseaussendungen politischer Parteien in österreichischen Nationalratswahlkämpfen. Ein Langzeitvergleich: 1970-2008. Vortrag auf der Jahrestagung 2012 der Fachgruppe „PR und Organisationskommunikation“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) vom 1.-3. November 2012 in München. – Die Präsentation wurde zum besten Tagungsvortrag gewählt: http://www.dgpuk2012.ifkw.uni-muenchen.de/programm/index.html [The Quality of Understanding of the Public Political Discourse in Political Parties’ Press Releases in Austrian National Elections, 1970-2008.].

Burkart, R. & Rußmann, U. (2012). Die Zuschreibung von Misstrauen: Eine politische PR-Strategie im Wahlkampf? – Vortrag auf der von der Universität Leipzig (von Prof. Günter Bentele in Kooperation mit der Auto-Uni Wolfsburg) veranstalteten Tagung „Öffentliches Vertrauen in der Mediengesellschaft“ am 21. Juni in Leipzig. [Mistrust(ing): A Political PR-Strategy in Election Campaigns?]


Akademische Abschlussarbeiten

Adam, M. (2012). Bürgerinitiativen, Massenprotest und journalistischer Zweifel. Eine inhaltsanalytische Untersuchung des diskursiven journalistischen Handelns in der regionalen und überregionalen Berichterstattung am Fallbeispiel "Stuttgart 21". Wien, Univ., Mag.-Arbeit.

Henschl, K. (2011). Verständigungsorientierung in der politischen Kommunikation – eine inhaltsanalytische Untersuchung der öffentlichen Debatte zum Bundesfinanzgesetz 2011. Wien, Univ., Mag.-Arbeit.

Kröpfl, P. (2012). Diskursiver Journalismus am Beispiel der Drogenhilfseinrichtung streetwork. Eine Inhaltsanalyse der Berichterstattung zu Selbst- und Fremdbild. Wien, Univ., Mag.-Arbeit.

Werni, K. (2012). Schlichtung von Konflikten aus der Verständigungsorientierten Perspektive: das Beispiel Stuttgart 21. Wien, Univ., Mag.-Arbeit.


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