Im Rahmen einer dreiwellig angelegten Panel-Befragung von Eltern-Kind-Paaren (Jugendliche im Alter von 12-16 Jahren) in Österreich und Deutschland fanden die Forscher*innen heraus, dass das Vertrauen in politische Inhalte von Influencer*innen bei Jugendlichen höher ist, die diese Content Creator als sehr engagiert im Umgang mit ihrem Publikum und als altruistisch motiviert wahrnehmen. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass das Vertrauen bei Jugendlichen mit hoher digitaler Kompetenz und solchen, deren Eltern eine aktive Vermittlung praktizieren, höher ist. Im Gegensatz dazu schreiben Jugendliche, die Influencer*innen als weniger responsiv wahrnehmen, diesen eher kalkulierende Motive zu – was mit einem geringeren Vertrauen in deren politische Informationen korreliert.
Für Jugendliche in der frühen und mittleren Adoleszenz haben sich Social Media-Influencer zu beliebten, wenn auch oft unbedarften Quellen für politische Informationen entwickelt. Influencer*innen beeinflussen das junge Publikum, indem sie politische Elemente in unterhaltsame, lifestyle-basierte Inhalte integrieren, und gewinnen Vertrauen durch wahrgenommene Authentizität und Ansprechbarkeit. Dieses Vertrauen kann jedoch problematisch sein, wenn Influencer*innen Fehlinformationen oder antidemokratische Inhalte verbreiten, da sich Jugendliche in einer kritischen Lebensphase befinden, in der sich politische Einstellungen erst herauszubilden beginnen und sie daher besonders anfällig für äußere Einflüsse sind. Die vorliegende Studie identifiziert zwei unterschiedliche Pfade, einen quellen- und einen zielgruppenorientierten, die erklären, warum das Vertrauen unter und innerhalb von Jugendlichen variiert.
Um die Mechanismen zu verstehen, wie das junge Publikum diese Informationen verarbeitet, testeten die Autor*innen sowohl einen quellenzentrierten als auch einen zielgruppenzentrierten Pfad. Der quellenzentrierte Pfad konzentrierte sich auf die Beziehung der Influencer*innen zu ihren Followern und untersuchte, wie beobachtete Interaktionen zwischen Creatorn und Publikum Jugendliche dazu veranlassen, Influencer*innen bestimmte Motive zuzuschreiben – entweder altruistische oder kalkulierende –, was sich dann direkt auf ihr Vertrauen auswirkt. Gleichzeitig untersuchte der zielgruppenzentrierte Pfad, wie Eltern die digitale Kompetenz und das anschließende Vertrauen ihrer Kinder durch zwei primäre elterliche Strategien beeinflussen: die aktive Vermittlung, bei der Eltern die Social Media-Nutzung mit ihren Kindern besprechen, und die restriktive Vermittlung, bei der Eltern den Zugang beschränken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine aktive Vermittlung mit einer höheren selbstwahrgenommenen digitalen Kompetenz einhergeht, aber auch mit einem höheren Vertrauen in die politischen Botschaften von Influencer*innen korreliert. Im Gegensatz dazu führt eine restriktive Vermittlung zwar potenziell zu einer Hemmung bei der Entwicklung bestimmter digitaler Fähigkeiten, macht Jugendliche jedoch nachweislich kritischer und misstrauischer gegenüber den politischen Informationen, auf die sie bei Influencer*innen stoßen.