Mit Hilfe eines Online-Experiments im Mixed-Design mit Teilnehmer*innen der Generation Z (18-25 Jahre) unter Verwendung realistischer TikTok-Videos konnte eruiert werden, dass Desinformation und verallgemeinerte Inhalte die Genauigkeit von gesundheitlichen Überzeugungen, die Glaubwürdigkeit von Botschaften, die Vertrauenswürdigkeit der Quelle und parasoziale Beziehungen verringerten. Die Intervention reduzierte die Anfälligkeit für Desinformation erheblich, doch der Effekt ließ mit der Zeit nach. Für verallgemeinerte Botschaften waren die Effekte der Intervention minimal und kurzlebig.
Für die Generation Z sind Social Media-Influencer*innen (SMI) eine valide und vertrauenswürdige Quelle für Gesundheitsinformationen. SMI prägen Online-Meinungen und Einstellungen zu einer Vielzahl von Themen und gewinnen Vertrauen durch Nahbarkeit und wahrgenommene Glaubwürdigkeit. Sie werden auch als eine wachsende Quelle für Gesundheitsdesinformation identifiziert, indem sie Inhalte teilen, die oft dem wissenschaftlichen Konsens widersprechen. Über Desinformation hinaus wurde festgestellt, dass SMIs an verallgemeinerter (übergeneralisierter) Kommunikation teilnehmen – einer indirekteren Form irreführender Gesundheitskommunikation. Übergeneralisierung tritt auf, wenn ein Influencer eine faktisch wahre persönliche Anekdote teilt, diese aber als universell anwendbaren Ratschlag präsentiert.
Diese übergeneralisierten Botschaften könnten aufgrund unterschiedlicher Gesundheitsprofile für die Zielgruppen unangemessen oder sogar schädlich sein. Wegen der parasozialen Beziehung und des Gefühls der Nahbarkeit, das SMI oft erzeugen, könnten Zuschauer*innen die begrenzte Anwendbarkeit dieser Botschaften übersehen. Im Gegenzug könnte die Annahme ihrer Relevanz für das eigene Leben potentiell zu negativen Ergebnissen führen, die denen von Desinformation ähneln.
Um den negativen und überzeugenden Auswirkungen von Gesundheitsdesinformation und übergeneralisierter Kommunikation durch SMI entgegenzuwirken, testeten die Autor*innen eine Intervention, die zur kritischen Reflexion anregen soll. Die Intervention strebte danach, Einzelpersonen zu einer bewussten Bewertung und Reflexion der Gesundheitsinhalte zu ermutigen, die sie in sozialen Medien sehen. Die Basis dieses Ansatzes sind bisherige Erkenntnisse aus der Literatur, die zeigen, dass kritisches Denken das Vertrauen in und die Interaktion mit Social Media-Desinformation reduzieren kann, während es die Wahrnehmung präziser und korrekter Inhalte nicht beeinflusst. Ein Mangel an diesen Fähigkeiten zur kritischen Reflexion ist stark mit einer erhöhten Anfälligkeit für falsche oder irreführende Inhalte verbunden. Die Daten für diese Studie wurden durch ein 3x2-Online-Experiment im Mixed-Design in zwei Wellen erhoben – eine mit unmittelbaren Reaktionen und eine Nachuntersuchung zwei Wochen später – im Mai und Juni 2025. Die 562 Teilnehmer*innen waren 18-25 Jahre alt und stammten aus den USA.