Auf Basis von Umfragedaten, die während der Eskalation des Israel–Hamas-Konflikts im Jahr 2023 erhoben wurden, zeigen Ergebnisse der Studie, dass junge Österreicher*innen Leitmedien und Inhalten gewöhnlicher Social Media-Nutzer*innen in ähnlichem Ausmaß nutzen und beiden stärker vertrauen als Social Media-"Persönlichkeiten" wie Influencer*innen und Prominente. Zugleich belegen die Ergebnisse einen klaren Hostile Media-Effekt für Leitmedien, während Inhalte gewöhnlicher Nutzer*innen durch einen "freundlichen Bias" wahrgenommen werden, die mit den eigenen Ansichten übereinstimmen.
Phasen internationaler Konflikte sind von intensiver Medienberichterstattung und erhöhter emotionaler Beteiligung geprägt, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Im Fall des Nahostkonflikts sind junge Menschen nicht nur professioneller journalistischer Berichterstattung ausgesetzt, sondern auch einer Vielzahl von Social Media-Inhalten, die von Prominenten, Influencer*innen und gewöhnlichen Nutzer*innen erstellt werden. Während der öffentliche Diskurs häufig den wachsenden Einfluss sozialer Medien betont, unterscheidet die Forschung bislang nur selten zwischen diesen unterschiedlichen Typen digitaler Quellen und fasst sie häufig unter der Sammelkategorie "Online-Nachrichten" zusammen.
Die vorliegende Studie setzt genau hier an und vergleicht systematisch Leitmedien, Social Media-"Persönlichkeiten" und gewöhnliche Nutzer*innen als Informationsquellen zum Nahostkonflikt. Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Aspekte der Nachrichtenrezeption: wie häufig diese Quellen genutzt werden, wie stark ihnen vertraut wird und wie voreingenommen sie in Bezug auf Israel und Palästina wahrgenommen werden. Die Untersuchung basiert auf Daten einer quotenbasierten Befragung von 569 jungen Erwachsenen im Alter von 16-25 Jahren in Österreich. Die Erhebung fand im Dezember 2023 statt, in einer Phase besonders intensiver medialer Berichterstattung über den Konflikt. Die Teilnehmenden gaben an, wie häufig sie unterschiedliche Quellentypen zur Information nutzten, wie sehr sie diesen vertrauten und wie sie deren parteiischen Bias gegenüber dem Konflikt einschätzten. Darüber hinaus wurden die eigene Position zum Konflikt sowie demografische Merkmale und die politische Ideologie erfasst.
Die Ergebnisse zeigen, dass Leitmedien und gewöhnliche Nutzer*innen gleich häufig als Informationsquellen zum Konflikt genutzt wurden. Social Media-"Persönlichkeiten" hingegen wurden deutlich seltener herangezogen. Dies deutet darauf hin, dass persönliche Netzwerke und von anderen User*innen erstellte Inhalte in Krisenzeiten eine zentrale Rolle in der Nachrichtenrezeption junger Menschen spielen und in ihrer Bedeutung mit etablierten journalistischen Angeboten konkurrieren.
Ein ähnliches Muster zeigte sich beim Vertrauen. Leitmedien und gewöhnlichen Nutzer*innen wurde in vergleichbarem Ausmaß vertraut, während Social Media-"Persönlichkeiten" deutlich skeptischer bewertet wurden. Über alle drei Quellentypen hinweg war höheres Vertrauen mit einer häufigeren Nutzung verbunden, was den engen Zusammenhang zwischen Glaubwürdigkeit und Nachrichtenkonsum unterstreicht.