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Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus
im Sommersemester 2010

Florian Klenk, stellvertretender Chefredakteur und Politikchef des "Falter", spricht in seinen Vorlesungen über Investigativen Journalismus, über Rechercheverfahren und die Notwendigkeit von Enthüllungsjournalismus für eine kritische Öffentlichkeit.

Florian Klenk stehe "in exponierter Weise für unbestechlichen Journalismus" – so lautet die Jurybegründung für die Verleihung des Kurt-Vorhofer-Preises 2005 für den Aufdeckungsjournalisten, der für seine journalistische Arbeit auch mit zahlreichen weiteren Preise ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnungen dokumentieren Klenks journalistische Kompetenzen und sind (auch) ein wichtiges Indiz für Qualitätsjournalismus.

"Investigativer Journalismus wird öfter gelobt und gefordert als praktiziert", meint Hannes Haas, Leiter der "Theodor Herzl-Dozentur". "Mit Florian Klenk konnten wir den legitimen Nachfolger des großen Aufdeckers Alfred Worm für die Dozentur gewinnen."

Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Menschenhandel oder Missstände im österreichischen Justiz- und Polizeiapparat sind immer wieder seine Themen. Ob das seine Recherchen zum Tod von Seibane Wague waren, der 2003 bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommenen war, oder davor zum Tod von Marcus Omofuma, oder zuletzt seine Veröffentlichungen vertraulicher Akten aus der Weisungsabteilung des Österreichischen Justizministeriums: Klenks Recherchen führten zu gerichtlichen Anklagen und öffentliche Debatten.

Karriere-Stationen

Seine journalistische Tätigkeit begann Klenk (Jahrgang 1973) als freier Mitarbeiter beim "Kurier", wo er vor allem Gerichtsreportagen verfasst hat, anschließend arbeitete er acht Jahre als freier Mitarbeiter und Redakteur beim "Falter" und studierte Jus. Seine Dissertation über "Pressefreiheit und Unschuldsvermutung. Rechtsprobleme der Kriminalberichterstattung unter besonderer Berücksichtigung der Europäischen Menschenrechtskonvention und des Mediengesetzes" aus dem Jahr 2001 behandelt Themen, die ihn im journalistischen Berufsleben ständig weiter beschäftigen sollten.
Nach seinem Wechsel zur "Zeit" kehrte er im Mai 2007 als stellvertretender Chefredakteur und Politikchef zum "Falter" zurück.

"Im Namen der Show"

In seinem Blog schreibt Klenk 2009 anlässlich des Falles Josef F. über den Unterschied zwischen gesellschaftlich notwendiger Aufdeckung und Instrumentalisierung der Medien durch Anwälte, Politiker oder Geschäftsinteressen unter dem Titel "Im Namen der Show": „Ob Tierschützer in Haft wandern, ob gegen Waffenlobbyisten konsequent ermittelt wird, ob Politiker mit der gleichen Härte verhört werden wie Normalbürger – das kann die Öffentlichkeit eben nur bewerten, wenn die Presse von Anwälten Betroffener und ‚Whistleblowern‘ mit Akten versorgt werden kann. Mit den medialen Gegengeschäften von ‚Topanwälten‘ in Sexualstrafsachen hat dies freilich nichts gemein. Und hier wird die Gefahr dieser Justizunterhaltungsmaschine sichtbar. Sie überrollt, was sie vorgibt zu sein: die kritische Öffentlichkeit."
Einen seiner zahlreichen Preise – den "Alice-Schwarzer-Männerpreis 2008" - erhielt Klenk übrigens von seiner Vorgängerin als Herzl-Dozentin Alice Schwarzer für seine Reportage über Frauenhandel "Die nackte Gewalt" ("Die Zeit", 2006).


Theodor Herzl-Dozentur

Diese Dozentur an der Universität Wien ist nach dem großen Wiener Journalisten Theodor Herzl benannt. Sie wurde 2000 von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft begründet, von 2008 bis zu seinem Tod im März 2014 wurde sie vom ehemaligen Vorstand des Instituts, Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas, geleitet.
Die Poetik des Journalismus analysiert journalistische Werke, die Bedingungen ihrer Entstehung, die Methoden und Verfahren, die Kontexte und Herstellungsprozesse. Darüber und über ihre Position, ihre Arbeitsweisen und ihren Zugang zum Journalismus reflektieren die Journalistinnen und Journalisten in ihren Vorträgen.
Die Dozentur versteht sich als Teil einer langen und internationalen universitären Tradition, die in den Bereichen von Musik, Literatur und Kunst selbstverständlich geworden ist: wichtige Journalistinnen bzw. Journalisten reflektieren in Gastvorlesungen ihre Arbeiten, deren Voraussetzungen und Rahmenbedingungen. Journalismus wird dabei als eine gesellschaftliche Leistung verstanden, deren Vielfältigkeit und schöpferische Qualitäten thematisiert werden sollen.
Im Rahmen der Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus haben seit 2000 Journalistinnen und Journalisten wie Margrit Sprecher, Kai Hermann, Herbert Riehl-Heyse, Peter Huemer, Luc Jochimsen, Klaus Harpprecht, Gerhard Kromschröder, Sibylle Hamann und Antonia Rados Vorlesungen gehalten, die im Picus-Verlag jeweils als Buch veröffentlicht worden sind. Die Publikation der Theodor Herzl-Dozentin 2009 Alice Schwarzer erscheint demnächst unter dem Titel: "Journalistin aus Passion. Von der Volontärin zur Blattmacherin."



Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus 2010:

Florian Klenk

Termine (jeweils 10 bis 12 Uhr)

5. Mai 2010
Investigativer Journalismus als Handwerk.
Sehen, sammeln, sichten: Wie Enthüllungsjournalismus funktioniert.

12. Mai 2010
Die Grenzen des investigativen Journalismus.
Hetzen, stalken, schnüffeln: Enthüllungsjournalismus, Rufmord und das Recht auf Privatleben. Die Fälle Kampusch und Fritzl.

19. Mai 2010
Investigativer Journalismus als Kunst der Analyse und Darstellung.
"Fischen im Klaren": wie der Fall des Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz zum Skandal wurde.

Hauptgebäude der Universität Wien, HS 33
Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien

Rückfragehinweis
Martina Winkler: 01 – 4277 – 49330
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien
A – 1180 Wien, Schopenhauerstr. 32
E- Mail: martina.winkler@univie.ac.at


Dr. Florian Klenk – Theodor Herzl-Dozent im Sommersemester 2010

Lebenslauf

Geb. 1973; Jurist und Investigativer Journalist
Freier Mitarbeiter beim "Kurier" (Gerichtssreportagen)
Freier Mitarbeiter, dann Redakteur beim "Falter"
Nov. 2005 bis April 2006: Redakteur "Die Zeit", Hamburg
Seit Mai 2006 Politikchef und stv. Chefredakteur beim „Falter“
Seit August 2004 Watchblog: www.florianklenk.com
Unterrichtet Recherche an der FH Wien

Preise und Auszeichnungen

  • Concordia-Preis 2000
  • Claus-Gatterer-Preis 2002
  • Leopold Ungar Preis 2004
  • Kurt-Vorhofer-Preis 2005
  • Österr. "Journalist des Jahres" 2005
  • Österr. "Investigativer Journalist des Jahres": 2007, 2008, 2009
  • "Männerpreis" von Alice Schwarzers "Emma" im Jahr 2008
  • Journalistenpreis "Writing for CEE 2008" für eine Reportage über die Situation außerhalb der neuen Schengengrenze

Die Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus wird unterstützt von

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