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Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus
im Sommersemester 2009

Alice Schwarzer, Chefredakteurin und Herausgeberin von "Emma" und eine der prominentesten Publizistinnen Deutschlands, wird in ihren Vorlesungen auf drei zentrale Themenbereiche eingehen:

  • Mein Weg: Von der Volontärin zur Blattmacherin, 22. April 2009 
  • Journalismus & Ethik: Wir schreiben über Menschen, 29. April 2009 
  • Das Interview: Kein Dokument, eine Kunstform, 6. Mai 2009


Videoausschnitte sind im YouTube-Kanal des Instituts verfügbar.


Aufnahme © Bettina Flitner


Alice Schwarzer, die in den 1970er Jahren journalistisch zu arbeiten begann, hat den deutschsprachigen Journalismus durch die Gründung von "Emma" wesentlich geprägt und durch das Aufgreifen von Frauenthemen maßgeblich den gesellschaftlichen Diskurs über Frauenrechte mitbestimmt. 2005 wurde sie in Deutschland zur Journalistin des Jahres gewählt, 2008 erhielt Schwarzer den Ludwig Börne-Preis für kritischen Journalismus – in ihrer Dankesrede zog sie eine Parallele zu Ludwig Börne: "Nicht meine persönlichen Angelegenheiten sind die Welt, sondern die Welt ist meine persönliche Angelegenheit".

Als Autorin setzt sie sich in ihren Büchern mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Themen auseinander. Schwarzer schreibt die erste Biographie über "Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben", sie schreibt über "Romy Schneider - Mythos und Leben", sie befasst sich in ihren Büchern mit politischen Themen wie "Die Gotteskrieger - und die falsche Toleranz". Ihr Longseller von 1975 “Der kleine Unterschied und seine großen Folgen", in dem sie 14 Frauenschicksale porträtierte und sich mit Liebe und Sexualität bei der Unterdrückung von Frauen befasste, beeinflusste die Emanzipationsbewegung und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. Die Initiierung der Aktion "Ich habe abgetrieben" 1971, die im "stern" veröffentlicht wurde, löste die Neue Frauenbewegung in Deutschland aus. In ihrem 2002 erschienen Buch "Alice im Männerland" resümiert Schwarzer: "Vielleicht hätte ich nie Bücher geschrieben, wenn ich als Journalistin nicht plötzlich auf eine Art Schreibverbot in den Medien gestoßen wäre. Das war neu für mich. (...) Alle Journalistinnen, die über die bis dahin verachteten “Frauenthemen" nun im neuen Lichte berichten wollten, stießen in den Redaktionen plötzlich auf verschlossene Türen."

Gemeinsam mit Jan Philipp Reemtsma gründete Schwarzer 1983 das “Hamburger Institut für Sozialforschung" und sie initiierte 1990 den 1. Deutschen Journalistinnenpreis und den 1. Deutschen Fotografinnenpreis.
Für einen "feministic turn" in der deutschen Medienlandschaft reichte aber die Gründung von "Emma" nicht allein, Alice Schwarzer ist nicht nur Symbolfigur eines feministischen Journalismus, sondern sie ist ein Bestandteil der deutschen Medienszene, als Journalistin, als Talk Show Gast und als Persönlichkeit, die auch im eigenen Umfeld Konflikte wagt.

2004 wurde Alice Schwarzer zum "Ritter der Ehrenlegion" durch den damaligen französischen Präsidenten ernannt und sie erhielt viele Auszeichnungen wie etwa das "Deutsche Bundesverdienstkreuz Erster Klasse" oder den "Bambi".
Auf die Frage in einem der zahlreichen Interviews, warum sie so erfolgreich sei, antwortete Alice Schwarzer: "Ich glaube, weil ich mein Leben lang sehr sachorientiert war. Und das mit Leidenschaft. Und gleichzeitig versuche ich immer, meine Arbeit maximal gut zu machen. Ich schreibe eine Bildzeile in EMMA mit derselben Intensität wie ein Editorial oder ein Buch". Seit Jahrzehnten kämpft sie publizistisch für Frauenrechte, gegen den politischen Islamismus und für das Verbot von Pornographie.

Die Theodor Herzl-Dozentin Alice Schwarzer hat mehr als 20 Bücher geschrieben und 16 Bücher herausgegeben.


Die Theodor Herzl-Dozentur

Die Dozentur ist nach dem großen Wiener Journalisten Theodor Herzl benannt und wurde 2000 von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft begründet. Sie wurde von 2008 bis zu seinem Tod im März 2014 vom ehemaligen Vorstand des Instituts, Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas, geleitet.
Die "Poetik des Journalismus" analysiert journalistische Werke, die Bedingungen ihrer Entstehung, die Methoden und Verfahren, die Kontexte und Herstellungsprozesse. Darüber und über ihre Position, ihre Arbeitsweisen und ihren Zugang zum Journalismus reflektieren die Journalistinnen und Journalisten in ihren Vorträgen.
Die Dozentur versteht sich als Teil einer langen und internationalen universitären Tradition, dass - wie dies in den Bereichen von Musik, Literatur und Kunst selbstverständlich geworden ist - Gastvorlesungen von journalistischen Persönlichkeiten über "Journalismus" gehalten werden. Journalismus wird dabei als eine Kulturleistung verstanden, deren Vielfältigkeit und schöpferische Leistungen thematisiert werden sollen.
Für die Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus haben seit 2000 Journalistinnen und Journalisten wie Margrit Sprecher, Kai Hermann, Herbert Riehl-Heyse, Peter Huemer, Luc Jochimsen, Klaus Harpprecht, Gerhard Kromschröder und Sibylle Hamann Vorlesungen gehalten, die im Picus-Verlag als Buchveröffentlichungen erschienen sind. Die Publikation der vorigen Theodor Herzl-Dozentin Dr. Antonia Rados wird gerade vorbereitet.


Termin und Ort der Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus

22. April 2009, 29. April 2009 und 6. Mai 2009,
Universität Wien, HS 33 (auf der Hauptuniversität, Lueger Ring 1),
10:00 – 12:00 Uhr


Rückfragehinweis

Martina Winkler: +43-1-4277-493 30
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien
A-1180 Wien, Schopenhauerstr. 32
E-Mail: martina.winkler@univie.ac.at


Alice Schwarzer – Theodor Herzl – Dozentin im Sommersemester 2009 (Angaben von der Homepage: www.aliceschwarzer.de/lebensdaten.html)


Kurzbiographie

3. Dezember 1942: Geboren in Wuppertal-Elberfeld, Deutschland.

1959: Beginn der Berufstätigkeit (als kaufmännischer Lehrling).

1964-1965: Sprachstudium in Paris.

1966-1968: Volontärin und Redakteurin bei den Düsseldorfer Nachrichten.

1969: Reporterin bei der Zeitschrift pardon.

1970-1974: Freie politische Korrespondentin in Paris für Funk, Fernsehen und Printmedien.

1970-1974: Studium der Soziologie und Psychologie an der Fakultät Vincennes, Paris.

Ab 1970: Engagement in der Frauenbewegung, zunächst in Frankreich, später auch in der Bundesrepublik.

Seit 1971:  Zahlreiche Buchpublikationen bis 2005: als Autorin 21 Bücher, als Herausgeberin 16 Bücher und Sonderbände.

1974-1975: Lehrauftrag für Soziologie an der Universität Münster.

1975-2000: Erscheinen des "Frauenkalender", hrsg. von Alice Schwarzer und Ursula Scheu.

Ab 1975: Verstärkte feministische Öffentlichkeitsarbeit: Veranstaltungen, Lesungen, Kampagnen etc. Verstärkte Arbeit im Fernsehen, als interviewter Gast und als interviewende Journalistin, u.a.: 1975 TV-Streitgespräch mit Esther Vilar (WDR), 1984 mit Rudolf Augstein (WDR) und Verona Feldbusch (ZDF); 1989 bis 1996 Teilnahme an der Ratesendung "Ja oder Nein?", ARD.

1992 und 1993: Moderation der Talkshow "Zeil um Zehn" (HR); 1998 "Kreuzfeuer" (RTL): Serie von Interviews mit Spitzenpolitikern der Parteien (zusammen mit Johannes Gross)

1975: "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen", der erste feministische Bestseller in Deutschland (übersetzt in 12 Sprachen).

1977: Gründung von EMMA, seither Verlegerin und Chefredakteurin. EMMA ist heute mit rund 70.000 Druckauflage die weltweit einzige unabhängige feministische Publikumszeitschrift. Sie erscheint seit Januar 1993 im Zwei-Monats-Rhythmus (bis dahin monatlich).


Die Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus wird unterstützt von:

Kuratorium für Journalistenausbildung

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