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Anja Reschke übernimmt die Theodor Herzl-Dozentur

Die Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim NDR wird zum Thema "Von 'Schmeißfliegen' zur 'Lügenpresse' – Journalismus vor neuen Herausforderungen" sprechen.

 

Foto: NDR/Thomas Pritschet

Dabei wird sie in drei aufeinanderfolgenden Vorlesungen (20.11. ,27.11. sowie am 04.12. jeweils von 11.30 bis 13.00 Uhr, Audimax der Universität Wien) die folgenden Themen behandeln: 

  • Haltung und Verantwortung – wie neutral kann und muss Journalismus sein?
  • Glaubwürdigkeit oder Lügenpresse – welche Rolle spielen Journalisten im Zeitalter des Populismus?
  • Zwischen Fake News und Hate Speech – Risiken und Chancen für den Journalismus

"Anja Reschke ist eine der profiliertesten Journalistinnen im deutschsprachigen Raum, die in ihrer langjährigen Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Aufdeckung von Missständen in Politik und Gesellschaft geleistet hat," so Folker Hanusch, Journalismus-Professor und Leiter der "Theodor Herzl-Dozentur".

Weiter sagte er: "Frau Reschke hat insbesondere durch ihre Zivilcourage in Bezug auf Hetze im Netz gezeigt, wie wichtig es ist, dass Journalismus für Grundwerte und -rechte einer Gesellschaft eintritt. Wir sind sehr stolz, dass Frau Reschke im Rahmen der Theodor Herzl Dozentur zu brandaktuellen und gesellschaftlich hochrelevanten Themen für den Journalismus sprechen wird."

Anja Reschke sagte: "Journalist zu sein oder zu werden bedeutet heute etwas anderes als noch vor 20 Jahren. Journalisten stehen vor ganz neuen Herausforderungen. Was ist unsere Rolle in diskursiv aufgeheizten Zeiten? Wie bleiben wir glaubwürdig, wie objektiv und neutral müssen oder können Journalisten überhaupt sein? Wie vermitteln wir den Wert von Qualitätsjournalismus in einer Welt voller Fake News und gefühlten Wirklichkeiten? All diese Fragen werden in Redaktionen intensiv diskutiert und ich freue mich, diese auch mit den Studenten der Uni Wien erörtern zu können."

Anja Reschke war in den vergangenen Jahren auch durch ihren Kommentar in den Tagesthemen zur Flüchtlingsdebatte und Hetze gegen Ausländer einem breiteren Publikum bekannt geworden. Dieser verbreitete sich im August 2015 rasant im Netz, und wurde mittlerweile 18 Millionen Mal aufgerufen. Eine unabhängige, 80-köpfige Fachjury der Journalisten-Zeitschrift "medium magazin" wählte sie schließlich zur Journalistin des Jahres 2015.

In der Begründung hieß es unter anderem: "Journalistin mit Profil und klarer Haltung: Im Sommer 2015 zeigte Reschke mit ihrem Kommentar 'Aufstand der Anständigen' in den 'Tagesthemen', was der Journalismus in Zeiten der 'Lügenpresse'-Vorwürfe braucht: Haltung. Sie hat dafür einen heftigen Shitstorm in Kauf genommen – und sich davon nicht beirren lassen. Kein einzelner journalistischer Beitrag hat in diesem Jahr so viel Wirkung und Wirbel erzeugt wie dieser Kommentar von Anja Reschke."

Anja Reschke begann ihre journalistische Tätigkeit beim Norddeutschen Rundfunk im Jahr 1998. Zuvor hatte sie ein Studium der Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München absolviert, und während ihrer Studienzeit bereits als freie Journalistin gearbeitet.

Sie ist seit Juli 2001 als Moderatorin und Reporterin beim Politik-Magazin Panorama tätig, und damit die dienstälteste Moderatorin eines ARD-Politikmagazins. Seit 2015 leitet sie die Abteilung Innenpolitik beim NDR Fernsehen. Neben Panorama moderiert sie außerdem das Medienmagazin Zapp und die ARD-Sendung "Wissen vor Acht - Zukunft". Sie hat zahlreiche Preise für ihre journalistische Arbeit erhalten, so zum Beispiel den Axel Springer-Preis für junge Journalisten (2001), den Medienpreis des Kinder- und Jugendärzteverbandes (2010), sowie den Barbara-Künkelin-Preis (2016). Sie war außerdem Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche, und ist tätig als Jurorin beim Henri-Nannen-Preis sowie der Civis Medienstiftung.

Die Theodor Herzl-Dozentur ist nach dem großen Wiener Journalisten Theodor Herzl benannt, sie wurde 2000 von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien begründet und von 2008 bis zu seinem Tod 2014 von Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas geleitet.

Folker Hanusch, Journalismusprofessor am Publizistik-Institut, leitet seit 2016 die Herzl-Dozentur. Für ihn ist die "Dozentur ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über den Stellenwert von Journalismus in der Gesellschaft und wie herausragende Leistungen unter den Rahmenbedingungen erbracht werden können".

Die Poetik des Journalismus analysiert journalistische Werke, die Bedingungen ihrer Entstehung, die Methoden und Verfahren, die Kontexte und Herstellungsprozesse. Darüber und über ihre Position, ihre Arbeitsweisen und ihren Zugang zum Journalismus sprechen die Journalistinnen und Journalisten in ihren Vorträgen.

Die Dozentur versteht sich als Teil einer langen und internationalen universitären Tradition, die in den Bereichen von Musik, Literatur und Kunst selbstverständlich geworden ist: wichtige Journalistinnen bzw. Journalisten reflektieren in Gastvorlesungen ihre Arbeiten, deren Voraussetzungen und Rahmenbedingungen. Journalismus wird dabei als eine gesellschaftliche Leistung verstanden, deren Vielfältigkeit und schöpferische Qualitäten thematisiert werden sollen.

Die bisherigen Theodor Herzl-DozentInnen waren: Margrit Sprecher, Kai Hermann, Herbert Riehl-Heyse, Peter Huemer, Luc Jochimsen, Klaus Harpprecht, Gerhard Kromschröder, Sibylle Hamann, Antonia Rados, Alice Schwarzer, Florian Klenk, Heribert Prantl, Armin Wolf, Alexandra Föderl-Schmid und Andreas Koller. Ihre Vorlesungen sind im Picus-Verlag veröffentlicht worden.


Rückfragehinweis

Martina Winkler: +43-1-4277-493 30
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien
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E-Mail: martina.winkler@univie.ac.at


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